Situation in anderen Ländern
Nicht nur in Deutschland sind Computerspiele in die Schlagzeilen geraten, weil sie in Zusammenhang mit aggressivem oder gewalttätigem Verhalten bis hin zu Amokläufen gebracht wurden. In Asien waren es vor allem Online-Rollenspiele und spektakuläre Fälle von spielsüchtigem Verhalten, die für Aufregung sorgten. Das schlägt sich nicht zuletzt in der umfangreichen internationalen Forschung zur Wirkung von Computerspielen nieder. Um Kinder und Jugendliche zu schützen, gibt es deshalb in vielen Ländern Alterskennzeichnungen mit mehr oder weniger verbindlichem Charakter.
Deutschland
USK - Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
Deutschland steht im Ruf, die striktesten Jugendschutzbestimmungen zu haben. Hier vergibt die USK Alterskennzeichnungen, die seit 2003 rechtlich bindend sind. Die Softwarehersteller reichen ihre Spiele bei der USK ein, Tester prüfen die Spiele und stellen sie einem Prüfgremium vor, das über die Altersfreigabe entscheidet. Deutschland ist das einzige Land, in dem Computerspiele vor der Alterfreigabe durch ein unabhängiges Expertengremium begutachtet wird. Wenn ein Spiel gegen das Strafgesetz verstößt, weil es kriegsverherrlichend ist oder die Menschenwürde verletzt, erhält es keine Alterskennzeichnung und kann von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert werden.
Innerhalb von Europa geht Deutschland damit einen eigenen Weg, denn fast alle europäischen Länder setzen auf das PEGI-System. Die Empfehlungen von USK und PEGI unterscheiden sich bei einzelnen Spielen erheblich, nicht immer sind die Altersfreigaben der USK jedoch strenger. Die Bewertungskriterien hängen von politischen Ansichten und moralischen Vorstellungen ab und diese sind natürlich gesellschaftlich und kulturell verschieden. So werden beispielsweise nationalsozialistische Symbole wie Hakenkreuze in Deutschland nicht toleriert, wohingegen "bad language" (vulgäre Sprache) oder das Zeigen von nackter Haut als weniger problematisch eingestuft wird.
Europa
PEGI - Pan European Game Information System
PEGI wurde als einheitliches europäisches System zur Bewertung und Kennzeichnung von Computerspielen entwickelt. Um unterschiedlichen Moralvorstellungen gerecht zu werden, geben die PEGI-Kennzeichnungen nicht nur Altersempfehlungen, sondern umfassen auch Symbole, die darauf hinweisen, ob zum Beispiel Gewalt, Sex oder beängstigende Elemente im Spiel vorhanden sind. Spiele-Publisher füllen für ein Computerspiel einen standardisierten Fragebogen aus, nach dem dann die Alterseinstufungen erfolgen.
Bis auf sehr wenige Ausnahmen wird das PEGI-System von allen europäischen Ländern genutzt. Die Altersempfehlungen der PEGI haben keinerlei bindenden Charakter und sind lediglich als Empfehlungen für Eltern gedacht. Es ist also nicht verboten, einem Kind ein Spiel zu verkaufen, welches nicht für sein Alter geeignet ist. Aber die EU-Kommission hat vor, sich stärker um den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu kümmern. Gemeinsam mit dem Handel soll an einem Verhaltenskodex für den Verkauf von Computerspielen gearbeitet werden.
Es gibt Länder, in denen Spiele mit nicht jugendverträglichem Inhalt zusätzlich von einer nationalen Institution bewertet und freigegeben oder verboten wird. In Großbritannien ist dafür zum Beispiel das BBFC (British Board of Film Classification) zuständig.
Amerika und Japan
Sowohl in den USA als auch in Japan werden viele Computerspiele produziert und beide Länder haben jeweils eigene Bewertungs- und Kennzeichnungssysteme.
ESRB - Entertainment Software Rating Board
In Nordamerika gibt es das Entertainment Software Rating Board (ESRB), eine Organisation, die einen Sitz in den USA und in Kanada hat. Das ESRB vergibt unverbindliche Altersempfehlungen für Software und kurze Hinweise auf problematische Inhalte wie beispielsweise "Use of Tobacco", "Partial Nudity" oder "Blood and Gore". Aber auch in den USA wird in der Politik über einen verbindlichen Status von Altersfreigaben diskutiert.
CERO - Computer Entertainment Rating Organisation
In Japan gibt es eine freiwillige Selbstkontrolle für Computerspiele, die Spiele prüft, eine Altersempfehlung ausspricht und Inhaltskennzeichnungen vornimmt. Spielehersteller sind jedoch nicht verpflichtet, ihre Produkte der Computer Entertainment Rating Organisation (CERO) vorzulegen. Eine gesetzliche Regulierung gibt es für Spiele ab 18 Jahren.
Linktipps:
USK - Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
PEGI - Pan European Game Information System
ESRB - Entertainment Software Rating Board
Chronik der Negativschlagzeilen
Artikel zu Negativschlagzeilen und Computerspiel-Kontroversen bei der Bundeszentrale für politische Bildung
Computerbild vergleicht Altersfreigaben und von der USK geforderte Bearbeitungen von Computerspielen
Weiter zu:
Spiele, Spieler und Konsolen
Wie wirken Computerspiele
Standpunkte zu Computerspielen
Anregungen für den Unterricht
Literatur und Links
Autorin: Henriette Carle, MediaCulture-Online
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Unterrichtsmaterialien zu Computerspielen
Die Initiative "Klicksafe" hat einen ganzen Reader mit Arbeitsmaterialen herausgegeben: "Knowhow für junge User. Mehr Sicherheit im Umgang mit dem World Wide Web". Passend zum Thema "Computerspiele" finden Sie hier das Kapitel "Computer- und Onlinespiele" zum Download. (als PDF.)
Literaturtipps: Computerspiele
Einen sehr guten Überblick über das gesamte Thema liefert Thomas Feibels Buch "Killerspiele im Kinderzimmer". Einen Auszug finden Sie in unserer Bibliothek.
Dort finden Sie natürlich auch noch zahlreiche andere Texte rund um das Thema Computerspiele. Literatur zu Computerspielen.
Dokumentation von Tagungen
Zum Thema Computerspiele gibt es immer wieder Tagungen und Fachkongresse, die wir dokumentieren. Zum Beispiel
Aufwachsen in virtuellen Welten
Kids + Games.








