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Wenn Eigentum an seine Grenzen stößt

Eindrücke von der Ars Electronica

Das Urheberrecht passt nicht mehr in unsere Zeit. Durch Computer und Internet sind die Produktion und der Vertrieb von wissenschaftlichen und künstlerischen Kulturgütern leicht geworden. An der Schaffung und Verteilung von Information und Wissen kann gemeinsam gearbeitet werden und die KonsumentInnen werden selbst zu ProduzentInnen von Inhalten.

 

"Und während eine (noch) mächtige Lobby am liebsten die ganze Welt verklagen würde und damit ihre Energien und Zukunftschancen verspielt, haben andere längst begriffen, dass es um neue Ideen geht - Ideen und Modelle, die dieser neuen Wirklichkeit entsprechen, die den Verhaltensweisen und Interessen der User entgegenkommen und auch die enormen Potenziale von Open Source und einer Sharing Economy nutzen." So beschreiben die VeranstalterInnen der Ars Electronica die gesellschaftliche Entwicklung, der mit dem Thema "A new cultural economy - Wenn Eigentum an seine Grenzen stößt" nachgegangen wird.

 

Beim Medienkunstfestival Ars Electronica in Linz tauschten sich vom 4. bis 9. September 2008 Expertinnen und Experten bei Symposien über den Wert und die Verwertung geistigen Eigentums in einer modernen Wissensgesellschaft aus, während Künstlerinnen und Medienaktivisten ihren eigenen Zugang zum Thema suchten.

 

 

The people formerly known as the audience

Der Übergang von interaktiver Kunst zur gemeinsamen Gestaltung von Kunstwerken ist fließend. Bei der Ars Electronica konnten und mussten sich alle überlegen, wie weit sie sich selbst an der Kunst beteiligen wollten. Und wessen geistiges Eigentum sind diese Werke dann? Bei dem Projekt einer slowenischen Künstlerin konnten die Besucherinnen und Besucher sogar selbst körperlicher Bestandteil der Ausstellung werden.

Virus

Appeel von Richard The, Gunnar Green, Frédéric Eyl, Willy Sengewald

 

Wie ein Virus verbreiten die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung die orangenen Sticker des Kunstwerks "Appeel" über die Ausstellungsräume.

Regenerative Kunst

The Replenishing Body von Ross Phillips

 

Die interaktive Videoinstallation "The Replenishing Body" besteht aus 25 Rechtecken, von denen jedes eine Filmschleife von einer Sekunde Dauer enthält. Die Installation ist zu Beginn leer und kann von den BesucherInnen gefüllt werden. So entsteht ein sich ständig änderndes Gemeinschaftskunstwerk.

Bestandteil eines Kunstprojekts sein

Polona Tratnik: Micro Flesh

 

Polona Tratnik ist Teil einer slowenischen Künstlergruppe, die sich mit der Mikrobiologie des menschlichen Körpers auseinandersetzt. Mit Hilfe biotechnologischer Verfahren zur Zerlegung und Wiederherstellung des Körpers verarbeitet die Künstlerin lebendiges Material, definiert den Begriff Leben neu und verändert unser Verständnis vom menschlichen Organismus, der durch Gewebezüchtung und andere mikrobiologische Verfahren einer tief greifenden Veränderung unterzogen wird. Bei der Ars Electronica wurden die Mikrokulturen aus Haut- und Haarzellen von BesucherInnen gezüchtet.

 

 

Verletzte Rechte

Öffentlich vernichtet

Ein Projekt von Martin Honzik, Gerfried Stocker und Jochen Zeirzer

 

"Seh ich zunächst mal nach dem Preise.
Und bei genauerer Betrachtung,
Steigt mit dem Preise auch die Achtung."
Wilhelm Busch

 

Die größte Provokation für die Linzer Bevölkerung stellte wohl die öffentliche Vernichtung von Markenfälschungen auf dem Linzer Hauptplatz dar. Unter Aufsicht der Zollbehörde wurden tonnenweise beschlagnahmte Fälschungen von Markenkleidung mit Hilfe der Maschine "Terminator 5000" vernichtet. Ein Routinevorgang für die Zollbehörde wurde hier öffentlich gemacht und löste empörte Reaktionen der Bevölkerung aus, die nicht verstanden, warum "die schönen Kleider" in den Reißwolf müssen. Eine Aktion, die den Aspekt Markenwert und Imitation ins Visier nimmt.

Neu gemischt

Jonathan McIntosh: Political Remixes

 

Jonathan McIntosh macht "Political Remixes", bei denen er Filmausschnitte, Dokumentationen oder TV-Beiträge mixt und damit Medienbilder in einen alternativen politischen und kulturellen Kontext stellt. So kombiniert er zum Beispiel Werbespots der US-Armee mit Folterbildern aus dem Irak, wie es bei diesem Video zu sehen ist. Diese "Remix Culture" ist Bestandteil einer modernen Medienkultur, der unser Urheberrecht nicht mehr gerecht wird.

 

 

Gemeinschaftseigentum

Take away (data to go)

Während das reale Gemeineigentum wie Parks oder Straßen von staatlichen Organen verwaltet und gestaltet wird, erscheinen die frei zugänglichen Daten im Internet geradezu als Wildwuchs. In einem Container auf dem Hauptplatz in Linz gab es die Möglichkeit, eine Sammlung lizenzfreier Inhalte herunterzuladen, die alle im Internet frei verfügbar sind.

Was Marmelade mit Eigentumsrechten zu tun hat

Gemeinschaftsprojekt Fallen Fruit mit Austin Young, Matias Viegener, David Burns

 

Die Aktion "Public Fruit Jam" richtet die Aufmerksamkeit auf die analogen Gemeinschaftsgüter unserer Gesellschaft. Dazu gehören auch Obstbäume, die auf öffentlichem Grund wachsen. Die Künstler luden zum Sammeln von "öffentlichem Obst" in Linz und zum gemeinsamen Marmeladekochen ein.

 

 

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